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Frauen erobern die Männerdomäne der Docks und Brücken Drucken E-Mail
DIE WELT Hamburg, 30. Juli 2010

Frauen erobern die Männerdomäne der Docks und Brücken


Freiluft-Galerie schildert mit elf Wandbildern die weibliche Seite der Hafenarbeit - von der Logistikkraft bis zu den Fischarbeiterinnen von Gisela Schütte


Sie sortieren Kaffee und verarbeiten Fisch, aber sie organisieren auch die Logistik und bewegen mächtige Van-Carrier: Frauen im Hafen haben sich neben traditionellen weiblichen Tätigkeiten mehr und mehr auch die Männerberufe erobert, seit Maschinen die Muskelkraft übernehmen.

Eine Reihe von Wandgemälden am nördlichen Elbufer in Altona ist der Frauenarbeit im Hafen gewidmet. Das jüngste Bild entsteht gegenwärtig westlich des Fischmarkts an einer Betonwand am Altonaer Hafenbahnhof (Große Elbstr. 276). Das Thema sind Frauen in der Hafenlogistik, die, auf Blickweite, am Burchardkai ihren Dienst tun: Am Computer in der Organisation, am Kai beim Anpacken, auf der Brücke oder als ausgebildete Fachkraft für Hafenlogistik. Die Stützmauer hat die Altonaer Tiefbauabteilung zur Verfügung gestellt.

Insgesamt zwölf oder 13 Bilder sollen entstehen. Die Logistikerinnen sind die Nummer elf. Das Bild ist noch nicht fertig. Die Künstlerin und Wandmalerin Hildegund Schuster ist bei gutem Wetter noch an der Arbeit und feilt an dem meterlangen Bild mit Kränen und Containerbrücken.

Es sind besondere Farben, die wetterbeständig sind und sich untrennbar mit dem Beton verbinden - "sie verkieseln", erzählt die Malerin, während sie die Farbtöne aus den bunten Quetschflaschen praktischerweise auf einem ehemaligen Eimerdeckel mischt. Den benutzt sie als Palette. Arbeitskleidung ist ein roter Overall, der die Spuren der Komposition trägt.

Das Bild ist Teil des Projekts Frauen-Freiluft-Galerie, ein ehrenamtliches Vorhaben, das finanziell getragen ist von privaten und öffentlichen Fördermitteln. So haben bereits die Kulturbehörde, die Bezirksversammlung Altona, der Investor des Fischmarktspeichers R & S und private Spender Geld für Bilder und Farben zugeschossen.

Vorgänger des Freiluft-Projekts war das ebenfalls mit dem Frauenarbeitskreis im Museum der Arbeit verbundene große Wandbild zum Thema "100 Jahre hafenbezogene Frauenarbeit" anlässlich des 800. Hafengeburtstags im Jahr 1989 gewesen.

"Basis der neuen Bilder sind Interviews mit bei der HHLA beschäftigten Frauen sowie Recherchen zur Arbeitswelt im Hafen", berichtet die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth von Dücker, die die Grundlagenforschung für das Projekt leistet. Dazu kommen aktuelle, an den Arbeitsplätzen entstandene Fotos, um Eindrücke für die Bildgestaltung zu gewinnen. Daraus werden die Bilder komponiert. Bei der HHLA sind momentan zehn junge Frauen im operativen Bereich am Kai beschäftigt - ehemals ein Arbeitsplatz ausschließlich für Männer. Sie finden sich auf dem Wandbild wieder.

Elf Wandgemälde erzählen bereits entlang des Elbufers von hafenbezogener Arbeit von Frauen seit den 1890er-Jahren. "Es ist im Gegensatz zu der vom damaligen Oberbaudirektor Egbert Kossak propagierten Reihe der architektonischen Preziosen am Hafenrand "unsere kulturelle Perlenkette an der Elbe", sagt von Dücker.

Die Bilder dokumentieren den Wandel der Lebenswelten, der sich einfügt in den gestalterischen Wandel des Areals, das von der Industriebrache zum quirligen Geschäftsstandort mit lokalen Hafennutzungen wurde.

So spielt denn auch die Fischwirtschaft als traditioneller Arbeitsort der Frauen thematisch eine Rolle. Die Frauen vom Straßenstrich, die Dockschwalben, sind im Bild zu sehen, die Kaffee-Sortiererinnen, deren Aufgaben heute Maschinen erledigen, aber auch den Zwangsarbeiterinnen ist ein Stück bildlicher Erinnerung gewidmet, die während des Krieges im Hafen die Trümmer wegräumen mussten.

Aktuell hinterfragt die Frauen-Freiluft-Galerie Hamburg auch den jahrhundertealten Mythos Männerdomäne Hafen. Malerinnen aus unterschiedlichen Ländern sind am Projekt beteiligt. Einen Spaziergang durch die Freiluftgalerie unter sachkundiger Begleitung kann man buchen unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
 
 
   
 
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