hadag-interview
HADAG zwischen Elbe,
Innovation und Tradition
Die HADAG Seetouristik und Fährdienst AG ist seit über 130 Jahren fester Bestandteil des Hamburger Verkehrsnetzes und verbindet Menschen und Stadtteile über die Elbe. Mit ihren Fähren, Ausflugsschiffen und Linienverkehren ist die HADAG nicht nur ein zuverlässiger Bestandteil des ÖPNV, sondern auch ein sichtbares Gesicht des Hamburger Hafens.
An der Spitze des Unternehmens stehen Tanja Cohrt, die den operativen Bereich leitet, und Martin Lobmeyer, verantwortlich für die strategische und technische Entwicklung. Gemeinsam treiben sie die Modernisierung der Flotte, innovative Mobilitätslösungen und nachhaltige Konzepte voran, ohne dabei die Nähe zu den Menschen und zur Stadt aus den Augen zu verlieren.
Die HADAG ist für viele Hamburger:innen ein Stück Heimat – Fährverkehr, Hafen, Lebensgefühl.
Wie würdet Ihr die Rolle der HADAG heute beschreiben – und was unterscheidet Euch von anderen Verkehrsunternehmen?
Tanja Cohrt: „Für viele Fahrgäste sind wir die einzige schnelle Verbindung in die Stadt. Anders als beim Bus oder der S-Bahn gibt es auf unseren Linien keine Alternative. Das hat sich in den letzten 100 Jahren nicht geändert und macht unsere Rolle bis heute wichtig. Wir verbinden die Stadt auf besondere Weise und genießen dafür ein hohes Ansehen bei den Hamburger:innen. Diese Einzigartigkeit wollen wir auch in Zukunft bewahren.“
Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Euch als Unternehmen – eher technischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Natur?
Martin Lobmeyer: „Die größte Herausforderung liegt aktuell in der Elektrifizierung unserer Flotte und dem Aufbau der Ladeinfrastruktur. Wirtschaftlich beschäftigen uns die allgemeine Lage und Finanzierung, zudem steigen die regulatorischen Anforderungen – eine Herausforderung für ein kleines Unternehmen mit begrenzter Verwaltung.“
Tanja Cohrt: „Personalgewinnung ist ein weiteres zentrales Thema. Wir setzen stark auf eigene Ausbildung: Jedes Jahr beginnen neue Azubis, um den Fachkräftebedarf langfristig zu sichern. Darauf sind wir besonders stolz, denn die Ausbildung dauert drei Jahre und ist essenziell für unseren Betrieb.“
Was macht es für Euch besonders, einen Verkehrsbetrieb mitten auf dem Wasser zu führen – zwischen Ebbe, Flut, Hafenlogistik und Tourismus?
Tanja Cohrt: „Besonders spannend wird es bei Sturmflut – dann muss man morgens prüfen, ob man trocken ins Büro kommt. Auch der Ponton bewegt sich bei Wellengang, was den Arbeitsalltag besonders macht. Gleichzeitig sitzen wir mitten im Leben auf der Elbe, genießen den Hafenblick und die Elbphilharmonie.“
Die HADAG gehört zu den sichtbarsten Gesichtern des HVV. Wie frei seid ihr bei Entscheidungen – wo werdet Ihr an Vorgaben gebunden?
Tanja Cohrt: „Der HVV bündelt rund 28 Verkehrsunternehmen in Hamburg und verteilt die Einnahmen. Innerhalb dieses Rahmens sind wir relativ frei: Kleinere Linienanpassungen können wir selbst vornehmen, bei größeren Änderungen, wie neuen Linien, ist die Verkehrsbehörde beteiligt und muss zustimmen.“
Klimaschutz ist auch bei Hafenfähren ein großes Thema. Welche konkreten Schritte geht Ihr Richtung emissionsfreie Flotte – und wie weit seid Ihr schon?
Martin Lobmeyer: „Seit Jahren arbeiten wir daran, die Emissionen unserer Flotte zu reduzieren und langfristig ganz zu vermeiden – immer im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und verlässlichem Betrieb. Wir haben Motoren erneuert, Abgasnachbehandlung eingeführt und beschäftigen uns intensiv mit batterieelektrischen Antrieben.
Inzwischen sind drei Hybridschiffe im Einsatz, ein weiteres wird umgerüstet, und vollelektrische Schiffe sind in Planung. Ziel ist eine elektrische Flotte, die wie gewohnt zuverlässig fährt und regelmäßig an unserer Betriebsanlage geladen wird.“
Wie sieht Dein Zukunftsbild der HADAG aus – sagen wir: im Jahr 2035? Was hat sich bis dahin verändert – und was soll unbedingt bleiben?
Tanja Cohrt: „Unser Standort ist zentral im Liniennetz und soll unbedingt bleiben. Bis 2035 wird sich vor allem das Erscheinungsbild der Betriebsanlage verändern – durch die neue Ladeinfrastruktur wirkt sie futuristischer. Außerdem wollen wir gesund wachsen und unser Liniennetz möglicherweise Richtung Norderelbbrücken erweitern.“
Martin Lobmeyer: „Die HADAG soll weiterhin allen Hamburger:innen verlässliche Fährverbindungen bieten – beim Pendeln, Arztbesuch oder in der Freizeit.“
Wie offen seid Ihr für Kooperationen – z. B. mit Start-ups, Technologiepartnern oder kulturellen Akteuren entlang der Elbe? Gibt es da schon erste Ideen oder Projekte?
Tanja Cohrt: „Wir freuen uns über unsere kreativen Branding-Partner, die die Lackierung unserer Schiffe für drei bis fünf Jahre übernehmen. Dabei zeigen sie oft ein Augenzwinkern, was bei uns und unseren Fahrgästen gut ankommt.“
Martin Lobmeyer: „Im Bereich Digitalisierung haben wir große Schritte gemacht: Seit Juni letzten Jahres läuft unsere neue Fahrgastinformation, mit großen Displays an fast allen Anlegern. Auch unsere Schiffe werden nachgerüstet – bis alles vollständig ist, dauert es noch etwas, aber wir sind auf einem guten Weg.“
Inwiefern verändert sich Euer Angebot durch das veränderte Mobilitätsverhalten – z. B. durch Homeoffice, On-Demand-Angebote oder den Wunsch nach flexibleren Fahrzeiten?
Tanja Cohrt: „Ehrlicherweise merken wir da keinen großen Unterschied. Unsere Pendler bleiben uns treu, und auch für Freizeitausfahrten werden unsere Fähren weiterhin gern genutzt.“
Die HADAG ist mitten in der Elbmeile zu Hause. Wie wichtig ist Dir der Standort – auch im Sinne von Austausch mit Nachbarn, Sichtbarkeit oder gemeinsamer Entwicklungsideen für den Stadtteil?
Tanja Cohrt: „Wir sind seit sehr langer Zeit eng mit diesem Stadtteil verbunden – und genau das macht ihn für uns so besonders. Viele unserer Mitarbeitenden wohnen in unmittelbarer Nähe, oft sogar fußläufig erreichbar, und identifizieren sich sowohl mit der HADAG als auch mit dem Stadtteil und seiner Umgebung. Diese Verbundenheit ist etwas, das wir sehr schätzen.“
Wenn Ihr einen Wunsch frei hättet – unabhängig von Budget oder Politik: Was würdet Ihr sofort für die HADAG oder den Fährverkehr in Hamburg umsetzen?
Tanja Cohrt: „Wenn wir einen Wunsch frei hätten, wäre das eine größere Betriebsanlage mit mehr Platz für unsere Mitarbeitenden – von Umkleideräumen bis zu Büros. Außerdem würden wir uns zusätzliche Schiffe wünschen, um Reserven zu haben und nicht immer am Limit der Einsatzfähigkeit zu arbeiten. Mehr Personal würde den Betrieb ebenfalls entspannter und flexibler machen.“
Martin Lobmeyer: „Für uns ist entscheidend, dass all das am jetzigen Standort umgesetzt werden kann. Die kurzen Wege zu den Landungsbrücken sind ideal für unsere Schiffe und ermöglichen einen reibungslosen täglichen Betrieb. So können wir auch in Zukunft zuverlässig für unsere Fahrgäste da sein.“
Noch etwas persönliches…
Tanja Cohrt: „So oft ich auch an der Elbe bin, verbringe ich auch gerne meine Freizeit hier. Besonders gern gehe ich zur Strandperle in Övelgönne, genieße das Wasser und den Sand. Zum Glück liegt das auf meinem Heimweg: Ich wohne in Ottensen, nur etwa zehn Minuten vom Anleger Neumühlen entfernt, und kann auf dem Heimweg am Strand schön ausspannen.“
Martin Lobmeyer: „Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, rückt natürlich die Familie in den Vordergrund – die kleinen Kinder sorgen dafür, dass man schnell auf andere Gedanken kommt. Das ist ein schöner Ausgleich. Und sonst geht es mir wie Tanja: Mich zieht es immer ans Wasser – da komme ich einfach nicht dran vorbei.“